Am Wochenende fand zum achten Mal das Tourismuscamp in Eichstätt statt. Hier trifft sich der digital bewegte Teil der Tourismusbranche, nun, auf jeden Fall wichtige Teile davon. Ich habe für das Camp einen Vortrag zum Thema Trends im digitalen Design vorbereitet und habe dann konsequent eine Session gehalten.

Im Vortrag bin ich auf einige für mich wesentliche digitale Trends eingegangen, ohne hier eine Vollständigkeit anzustreben.
Ungebrochen, unaufhaltsam und letztlich kein Trend mehr: Mobile. Die Zahlen zeigen, wie stark der Desktop an Einfluß verliert, auch wenn wir täglich dran arbeiten und auch am Desktop mobile Applikationen bauen.

Ein zweiter, ebenfalls nicht neuer, dennoch enorm wichtiger Trend: Die Trennung zwischen Content und Design. Content wird via APIs an Applikationen und Webseiten ausgegeben und häufig erfüllt Siri schon heute die Funktion, für die früher ganze Webseiten gebaut wurden. Ausführlicher hierzu: Creativebloq.

Wearables werden weiter wachsen und sich ihre Plätze an unseren Händen, Hälsen und Füßen erkämpfen. Auch wenn Google Glas gerade einen Rückschlag einstecken musste, es geht weiter auf der Suche nach den optimalen digitalen Ergänzungsmitteln. Der Markt ist groß: aktuell werden drei bis fünf Mrd. US$ umgesetzt, und das trotz aller Unzulänglichkeiten. Credit Suisse schätzt den Markt auf 30-50 Milliarden, 15% aller Smartphonebesitzer werden dem Trend erliegen. Detaillierter bei: Kurzweilai.net.

Nicht neu, aber eine Entdeckung für mich: modulare Smartphones. Phoneblocks, ursprünglich das Studienabschlußprojekt eines schwedischen Produktdesigners, hat es sich zum Ziel gemacht, die mobile Industrie zu verändern. Das Problem: häufig gehen Smartphones kaputt und müssen dann ersetzt werden, weil sich eine Reparatur nicht lohnt. Die Idee: Smartphones werden aus einzelnen Modulen gebaut, die sich der Kunde beliebig zusammenstellen kann. Geht eins kaputt, wechselt man es einfach aus.

380 Millionen Menschen haben sich das erste Video von Phoneblocks angesehen, vor ca. einem Jahr. Die Konzeptstudie wurde dann nicht an einen einzelnen Hersteller verkauft, sie wurde allen zur Verfügung gestellt mit dem Ziel, so viele modulare Ansätze wie möglich zu schaffen. Inzwischen geht die Idee übers Handy hinaus, modulare Waschmaschinen, Fernseher…

Auch Google hat mit dem Project Ara die Idee aufgenommen und weiterentwickelt. Der Marktstart wird für das 2. Halbjahr 2015 vorbereitet, in Puerto Rico.

 

Nicht ganz neu, aber so langsam in Richtung Marktreife unterwegs ist das Thema iBeacon. Auch wenn es jedem datenbewußten digitalen Bürger die Schweißperlen auf die Stirn treibt, immer mehr Anbieter experimentieren mit der Technologie, die die Kunden direkt am Point of Sale erkennen kann.
Im touristischen Bereich hat Virgin Atlantic mit iBeacons experimentiert. In Heathrow wurden Passagieren, die einen elektronischen Boarding Pass in ihrem IPhone Passbook gespeichert hatten, ortsbasierte Nachrichten auf dem Flughafen zugesendet. Der größte Mehrwert war den Premiumkunden vorbehalten, bei ihnen öffnete sich das Ticket direkt bei der Boardingkontrolle.
Ganz frisches Beispiel: MILFORD. Einhundert Lebensmittelmärkte, an denen MILFORD Tee mit Plakaten wirbt, werden mit iBeacons ausgestattet. Kunden, die sich die barcoo-App heruntergeladen haben, bekommen eine Push-Nachricht und können Probierpakete gewinnen. Der Marketing Manager Marcus Bunar dazu: „Wir nutzen die iBeacons-Technologie primär, um unsere Offline-Kommunikation digital zu verlängern und um unsere Kunden direkt am POS ein Extra anbieten zu können. Wir erwarten uns vom Einsatz zudem aufschlussreiche Informationen über die Besucher- und Frequenzströme am POS und wollen als erste Marke in unserem Segment testen, was der Einsatz der Technologie bringt.“ Mehr Informationen zur Technolgie gibt es u.a. hier.
Stefan Huber von hubermedia hatte sogar iBeacons dabei, die im touristischen Bereich schon eingesetzt werden. Es gibt Modelle, die sich für den Einsatz in der freien Wildbahn eignen. Die Kosten sind absolut überschaubar. Er stellte auch einige Projekte vor. Insbesondere der Einsatz von iBeacons auf Wanderwegen oder Radwegen hält viele spannende Nutzungsmöglichkeiten für Destinationen bereit.
So weit so ausführlich, die Designtrends lassen sich der Präsentation sehr gut entnehmen. Ich freue mich, dass ich mit unserem Sponsoring eine sehr inhaltsreiche Veranstaltung mit netten Leuten und nebenbei auch viel Spaß sponsorn konnte. Neben den harten touristischen und digitalen Themen waren eine Salsa-Session und ein Drohnenrundflug im Angebot, schöne Abende mit geistreichen Gesprächen und Getränken.

Und noch ein paar Links:

Eine systematischere Aufbereitung der digitalen Trends und 10 Hypothesen für das Jahr 2015 findet Ihr bei Uwe.

Fotos vom Camp gibt es unter anderem schon bei Achim Meurer.