Wie versprochen kommt hier der zweite Teil meiner Nachlese zum Tourismuscamp 2017 in Wilhelmshaven. Etwas später als versprochen, leider hat mich die allgemeine Krankheitswelle erwischt. Die kleine Auszeit gab mir nochmal Zeit, über die Tage nachzudenken. Im Nachhinein stand der Tag für mich unter der Überschrift „Technology Acceptance“.

Technology Acceptance

Ein Modell, das Peter Hense in seinem Vortrag zum Thema „Predictive Consumer Intention“ einführte liefert eine sehr gute Erklärung, wann Technologien sich durchsetzen werden. Sie müssen zwei wesentliche Kriterien erfüllen: 1. Sie müssen einfach benutzbar sein oder sich zumindest so anfühlen als wären sie einfach zu bedienen. 2. Sie müssen einen sinnvollen Mehrwert bieten oder zumindest doch glaubhaft vorgeben. Wenn diese beiden Kriterien gegeben sind, nutzen wir alles. Nichts kann Technologien aufhalten, die diese Kriterien bedienen. Sie werden sich durchsetzen.

Das Modell geht zurück auf Fred D. Davis, der es 1986 in seiner Dissertation prägte und im Laufe seiner wissenschaftlichen Arbeit weiter konkretisierte.

Warum fange ich mit der Theorie an? Das Thema wie wir 2030 leben werden – ein Workshop am ersten Tag des #tcamp17 – wird auch davon bestimmt werden, welche Technologien sich durchsetzen werden. Wichtigste Erkenntnis aus dem Modell ist nochmal: nichts kann Technologien aufhalten, wenn sie akzeptiert werden. Wenn wir darüber nachdenken wie die Zukunft wird oder sein sollte, dann müssen wir darüber nachdenken, welche Technologien voraussichtlich akzeptiert werden. Die Akzeptanz wird  nicht von ihren eventuell negativen die Begleiterscheinungen wie Umweltvernichtung oder massive private Datensammlung beeinflußt.

Ein Tag im Jahr 2030

In der Session wurde das Projekt adayin2030 kurz vorgestellt und sehr breit die Frage diskuttiert, wie so ein Tag im Jahr 2030 wohl aussehen mag.
Nach all den schönen Vorstellungen – wir arbeiten unabhängig von Orten, grenzenlose Mobilität, Grundeinkommen – kamen auch einige weniger optimistische Visionen zum Ausdruck – Umwelt, Ölvorkommen, Flucht aus nicht mehr bewohnbaren Bereichen der Erde.
Eine Diskussion über die Möglichkeiten von eHealth brachten auch die Vision zutage, dass eine Vielzahl der Technologien ein deutlich extremeres auseinanderklaffen der sozialen Scheere fördern werden. Das wird bei der medizinischen Versorgung anfangen und sich hineinziehen in alle Lebensbereiche, auch in den Tourismus. Wer wird noch Reisen und wer wird sich die Welt durch die 3D-Welten anschauen und nur durch die? Neben vielen Science Fiction Büchern viel mir LoveStar ein, eine isländische Vision rund um Liebe, Tod und Implantate. Eine Empfehlung hier an dieser Stelle.
Abschließend ein sehr spannendes Thema, dass sicher für viele von uns in den vergangenen Monaten an Brisanz gewonnen hat: welche Zukunft stellen wir uns vor und wie wollen und können wir sie mitgestalten?

„Predictive Consumer Intention“

Peter Hense hat mit seinem Vortrag für eine Stunde absoluter Stille gesorgt. Es ging rund um die Themen Daten sammeln und Datenschutz, allerdings auf einer ganz anderen Ebene als der uns bis dato bewußten. Peter hat uns ganz deutlich gemacht, dass wir längst in der soganennten Zukunft angekommen sind, dass der Datenbedarf im Bereich „vorhersagbare Käuferintention“ so riesig und gewaltig ist, dass er vor den privaten Räumen schon lange nicht mehr halt macht.

Hier ein paar Beispiele:

Amazon Echo & Alexa

Amazon Echo ist mit 7 empfindlichen Mikrophonen ausgestattet, die dafür Sorge tragen, dass Alexa in den entscheidenden Momenten reagiert, nämlich bei Namensnennung. Noch sind ein paar Bugs drin, auch sollten Besitzer Einstellungen wählen, die weder ihren Kindern noch Nachrichtensprechern die Bestellung ermöglichen. Um zu entscheiden, daß Alexa angesprochen wird, muß natürlich permanent mitgehört werden. Gruselige Vorstellung für mich als Ossi allemal. Die Entscheidung, weder in unseren Haushalt noch in unser Büro eine solche Anwendung zu lassen belächelt Peter Hense milde, demnächst werden auch die Glühbirnen Mikrophone haben um zu erkennen, wann sie ausgeschaltet werden müssen.

Spielzeug oder Spitzel?

„Hello Barbie“ loggt sich ins heimische W-Lan ein und spricht mit dem Kind. Beantwortet alle Fragen und dokumentiert für die Eltern: wöchentlich werden Berichte mit Mitschnitten an die Eltern geschickt. Die Fragen der Kinder werden in einer Datenbank des Unternehmens ToyTalk gespeichert. Die Antworten kommen von da.

„My friend Cayla“, und „iQue“ für Jungs sind weitere Modelle mit dem Internet verbundener sprechender Puppen, etwas weniger Mainstreem, sprechen wohl eher die intellektuelleren Eltern an. Die Antworten der Puppen weisen wohl eine deutliche Disneyaffinität auf, darüber hinaus werden sie inklusive der Stimmprofile gespeichert von der US Firma „Nuance Communication“, die die Weitergabe der Daten an Dritte nicht ausschließen. Laut Peter haben sie schon 60 Mio „sprachliche  Fingerabdrücke“ (voice fingerprints) gesammelt. Nuance vermarktet – laut einer Beschwerde von US-Verbraucherschützern – die Daten u.a. an militärische Einrichtungen in den USA.

Big Data – Massenindividualisierung auf Intimebene

Weitere zahlreiche Beispiele – natürlich Google Voicesearch, Cortana von Microsoft um nur einige zu nennen – zeigen, daß unsere Daten weit mehr sind als unser Klickverhalten bei Google oder unsere likes bei Facebook. Auch wenn die über die meisten schon sehr viel mehr verraten als ihre engsten Familienmitglieder wissen.

Gehen wir vom Technology Acceptance Model aus, werden sich die praktischen Technologien durchsetzen und uns werden die Daten, die wir dafür hergeben müssen, egal sein. Darum ist es auch hier an der Zeit sich darüber Gedanken zu machen, welche Algorithmen unser Leben zukünftig bestimmen und wer kennt und kontrolliert die?

Interessant war für mich auch die Aussage, dass der US-Datenschutz wesentlich durchsetzungsstärker als das entsprechende EU-Recht ist. Der US-EU Privacy Act ist mit dieser Erkenntniss noch kritischer zu betrachten. Als Anwalt sieht Peter Hense letztlich nur ein Mittel: Sammelklagen anstreben und damit den Streitwert hochziehen. Ein weiter Weg. In der Endkonsequenz: Daten abschirmen wird ein Luxus sein, er ist nicht im Interesse der Staaten und der Unternehmen.

Videoworkshop mit Günter Exel

Puh, die schöne neue Welt macht auch Spaß! Sehr viel Spaß und sie braucht Übung. In einem einstündigen Workshop am zweiten Tag konnte ich sehr viel mitnehmen und vor allem auch den Wunsch nach einem Tagesworkshop, oder gern auch gleich nach einem ganzen Wochenende.

Worum ging es? Günter hat uns die wichtigsten Tipps gegeben, wie man mit dem Smartphone filmt. Und er hat uns eine ganze Reihe Apps genannt, die sowohl die Bildbearbeitung als auch die Bearbeitung der Filme komplett auf dem Smartphone ermöglichen. Womit ich jetzt üben werde: Snapseed, Splice und ReverseVid, alles Apps fürs iphone.

Besten Dank nochmal für ein tolles Camp. Alle Inputs konnte ich nicht aufzählen. Genannt sei noch e-voli, ein Förderprojekt von Tourismuszukunft. Wer spannende Projekte und Beratungsbedarf – anmelden! Warum das nach einem Pokemon heißt erfährt man da vielleicht auch.

Wir sehen uns beim nächsten Camp. Bis dahin viel Spaß beim weiteren Digitalisieren.

Alexandra